Momente – der Podcast zum Magazin von Tank & Rast #29

Shownotes

Kaffeehauskultur, Fachwerkliebe, Scheinwerfertechnik und Supermarkt der Zukunft – diese Folge ist ein wacher Streifzug durch Tradition und Transformation. Nathalie und Sascha starten mit der Geschichte deutscher Cafés: Wie sie zu Orten der Rebellion, der Kultur und des Austauschs wurden. Danach reisen wir nach Quedlinburg – in eine Stadt, die Geschichte atmet und mit Kopfsteinpflaster, Fachwerk und innerer Ruhe verzaubert. Weiter geht’s mit einem Blick ins Licht: Die Evolution der Autoscheinwerfer – von rußenden Laternen zu intelligenten Matrix-LEDs. Den Abschluss macht ein Blick in den Supermarkt 4.0, in dem smarte Regale und Einkaufswagen das Denken übernehmen – effizient, digital und nicht ganz ohne Zwiespalt. Mehr unter www.tank.rast.de/magazin.

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Momente, dem Podcast von Tank und Rast.

00:00:07: Schön, dass Sie wieder dabei sind. Ich bin Natalie und meine Fragen an Sie,

00:00:13: Kaffee in der Hand, Ohren auf Empfang und gute Laune hoffentlich auch, denn wir haben heute

00:00:18: wieder vier spannende Themen im Gepäck. Von Bohne bis LED, von Fachwerk bis Future-Supermarkt,

00:00:24: alles dabei und natürlich auch von meiner Seite. Ich bin Sascha und gemeinsam mit Natalie führe

00:00:30: ich Sie heute durch diese neue Folge. Womit beginnen wir? Wir starten mit einem Klassiker, dem Kaffee.

00:00:36: Aber keine Sorge, es geht nicht um den Milchschaum, sondern um Rebellion, Kultur und Koffein als

00:00:43: Gesellschaftskraft. Danach nehmen wir sie mit nach Quedlinburg, ein Ort, der Geschichte nicht nur zeigt,

00:00:48: sondern lebt. Kopfsteinpflaster, Zeitreisefeeling inklusive. Anschließend geht bei uns das Licht an

00:00:54: und zwar im Auto. Vom rusenden Docht zur intelligenten Lasershow. Wer glaubt,

00:01:00: ein Scheinwerfer sei nur hell, der wird überrascht sein. Und zum Schluss ein Einkauf,

00:01:05: der sich anfühlt wie ein digitaler Roadtrip, Supermarkt 4.0, wo das Regal fast mehr weiß,

00:01:11: als man selbst. Also vier Themen, viele Ah-Momente und damit ab zum ersten Beitrag.

00:01:17: Kaffee ist für viele der Treibstoff des Tages. Aber das Kaffee? Das ist viel mehr als bloß die

00:01:27: Tankstelle fürs Gehirn. Es ist Bühne, Treffpunkt, Ideenraum. Und in Deutschland hat das Geschichte

00:01:34: geschrieben, mit Milchschaum, Mokka und manchmal auch mit ein bisschen Revolt. Los ging's im 17. Jahrhundert.

00:01:43: Da kamen die ersten Kaffeebohnen über den osmanischen Handelsweg nach Europa. Deutschland,

00:01:49: damals noch ein Flickenteppich aus Fürstentümmern, war schnell dabei. Vor allem in Hamburg, Bremen

00:01:56: und Leipzig. Dort, wo Handel und Fernweh zu Hause waren, öffneten die ersten Kaffeehäuser.

00:02:02: Der Kaffee selbst, Luxus pur. Nichts für jedermann, eher was für Adlige, Denker, Dichter. Die ersten

00:02:12: Stammgäste waren nicht müde, sie waren wichtig. Und das Kaffee war auch kein Ort zum schnellen

00:02:19: Wachwerden. Es war Denkfabrik, Debattierstube, Gesellschaftsspiel. In Bremen wurde Kaffee regelrecht

00:02:27: zelebriert, nicht nur als Getränk, sondern als Haltung. Wer dort saß, dachte mit oder zumindest

00:02:34: laut. Mit der Industrialisierung kamen die Großstädte und mit ihnen das Bedürfnis nach einem

00:02:41: Ort, an dem man mal nicht Fabrikarbeiter oder Familienoberhaupt sein musste. Kaffees wurden

00:02:47: demokratischer. Plötzlich war es egal, ob man einen Gedichtband veröffentlicht oder einfach nur

00:02:53: einen Kaffee wollte. In Berlin explodierte die Szene geradezu. Die Kaffees der 1920er waren rauchig,

00:03:02: laut, manchmal chaotisch und voll mit klugen Köpfen. Tucholski, Laska Schühler, sie alle saßen

00:03:11: irgendwo zwischen Zigarettenqualmen und Sahnetorte. Aber nicht jeder war begeistert. In konservativen

00:03:18: Kreisen galten Kaffees bald als Brutstätten für Subversionen. Wo diskutiert wird, wird hinterfragt.

00:03:24: Und wo hinterfragt wird, kommt früher oder später jemand auf dumme Ideen. Also besser weg da. Was

00:03:31: natürlich nur noch mehr Leute angelockt hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg, Neustart. Erst mit

00:03:37: Ersatzcafé, Gerste Chikory, Hauptsache Heiß. Dann mit Filtercafé und Sahne-Kännchen. In den 50er

00:03:45: Jahren war das Kaffee plötzlich Wohnzimmer für Aufsteiger*innen und Treffpunkt für den

00:03:49: Nachmittagskuchen. Weniger Bohem, mehr Biskuitrolle. Aber es hatte was. Und dann kam Starbucks und mit

00:03:58: ihm der Frappuccino, der Laptop in der Ecke und das globale WLAN-Gefühl im Pappbecher. Kritiker sahen

00:04:06: das Ende des echten Kaffeehauses. Aber, typisch Deutsch, die Antwort ließ nicht lange auf sich

00:04:12: warten. Third Wave Coffee, kleinere Restaurant, Handfilter, barista Ausbildungen, die länger

00:04:18: dauerten als mancher Bachelor. Kaffee wurde wieder zur Kunst und manchmal auch zur Preisfrage.

00:04:24: Heute ist das Kaffee alles gleichzeitig. Arbeitszimmer, Wohnzimmer, Safe Space, Lesebühne. Hier treffen

00:04:32: sich digitale Nomaden mit Leuten, die einfach nur ihre Ruhe wollen. Zwischen Laptop und Latteart ist

00:04:38: Platz für alles. Und jede Generation hat ihren Lieblingsplatz. Das deutsche Kaffee hat sich verändert,

00:04:45: ja. Aber es hat nie aufgehört, ein Spiegel seiner Zeit zu sein. Und genau deshalb lohnt sich ein

00:04:51: Blick hinein. Denn wer verstehen will, wie wir leben, lieben und arbeiten, sollte vielleicht nicht

00:04:57: nur Zeitung lesen, sondern auch mal einen Kaffee trinken gehen. Weißt du, was mir gerade fehlt?

00:05:03: Sagt bloß ein Espresso? Nein. Ein dampfendes Kaffee mit knarzenen Dielen und einem Kellner, der dich

00:05:10: duzt, aber in Zeitlupe serviert. Also Berlin, Prenzlauerberg, 10 Uhr morgens? Exakt. Aber wir reisen

00:05:16: jetzt weiter. Zurück in der Zeit aber raus aus der Großstadt. Nächstes Ziel, Quedlenburg,

00:05:22: Kopfsteinpflaster, Fachwerk, Magie. Wer mal wieder das Gefühl haben will, mit der Realität aus

00:05:30: versehen eine falsche Abzweigung genommen zu haben, Quedlenburg hilft. Diese Stadt sieht aus,

00:05:36: als hätte sie jemand aus einem Märchenbuch direkt in die Gegenwart teleportiert. Und dann ganz vergessen,

00:05:43: das Tempo hochzudrehen. Gassen, in denen selbst Google Maps kapituliert. Häuser, die aussehen,

00:05:49: als hätten sie beim Einzug 1497 eine leichte Schieflage mitgebucht und sich seitdem nie wieder

00:05:55: aufgerichtet. Und darüber ein Himmel, der, je nach Urzeit, entweder Instagram-Gold oder dramatisches

00:06:02: Mittelalter liefert. Das Ganze wirkt wie ein lebendiges Filmset für Historienserien. Nur,

00:06:08: dass hier nicht gefilmt wird, sondern gelebt. Wer Quedlenburg betritt, tut das nicht einfach so,

00:06:13: man stolpert hinein, in die Vergangenheit, in ein anderes Zeitgefühl und, wenn es gut läuft, auch ein

00:06:20: bisschen in sich selbst. Also bitte nicht täuschen lassen, Quedlenburg mag gemütlich wirken,

00:06:26: aber unter dem Fachwerk steckt Power. Historisch gesehen war das hier mal so was wie Berlin,

00:06:32: Bonn und Brüssel in einem, nur mit mehr Pilgern und weniger WLAN. Hier residierten Könige, regierten

00:06:39: Kaiser und in der Stiftskirche organisierte Matilde eine Art mittelalterliche Kanzlerin

00:06:45: Mithaltung, ganz nebenbei das Reich. Die Kirche selbst thront über allem. Wer die Treppen

00:06:52: dorthin nimmt, wird belohnt, mit einem Ausblick, der irgendwo zwischen Postkarte und inneren Frieden

00:06:58: pendelt. Und mit dem Gefühl, dass hier oben Entscheidungen getroffen wurden, die bis heute

00:07:03: nachhallen. Keine Instastory, sondern echte Kapitel. Ja klar, Fachwerk gibt es anderswo auch. Aber nicht

00:07:12: so, nicht über 2.000 Mal, nicht in diesem Zustand. Quedlenburg ist nicht bloß voll davon, es ist

00:07:20: Fachwerk. Und zwar mit Stil, mit Eigensinn, mit Patina. Renaissance trifft Barock, Mittelalter

00:07:27: flirtet mit Gründerzeit. Und man selbst steht dazwischen und überlegt, ob das alles echt ist.

00:07:33: Spoiler. Ja, echt alt, echt schief, echt schön. Und dann gibt es dann auch diesen Ständerbau,

00:07:42: das vermutlich älteste Fachwerkhaus Deutschlands. Heute Museum, früher vermutlich ein Familienhaus

00:07:50: mit Aussicht. Walten wir aus einem Fantasyfilm, nur realer. Quedlenburg ist lautlos beeindruckend.

00:07:59: Kein Krach, kein Verkehr, stattdessen Glockenläuten, Vogelswitzern, irgendwo klappert ein Löffel

00:08:08: in einer Tasse. Selbst das Kopfsteinpflaster klingt hier entschleunigt. Wer durch die Gassen läuft,

00:08:14: merkt schnell, der Weg ist das Ziel. Und manchmal auch der Weg zum besten Kaffee im Umkreis von

00:08:21: mehreren Jahrhunderten. Besonders schön, ein Kaffee am Rand der Altstadt, das laut Besitzer

00:08:29: nichts anbietet, außer Stille, Kuchen und einen wirklich guten Blick. Klingt schräg, ist es auch,

00:08:37: aber im besten Sinne. Hier sitzen Menschen stundenlang, ohne Eile, ohne WLAN und irgendwie

00:08:45: wirkt das plötzlich völlig logisch. Und dann hinter all dem Fachwerk taucht er auf. Der Harz.

00:08:53: Nicht wie ein Felsbrocken, sondern wie eine weiche Kulisse. Wanderwege, Schroffeklippen,

00:08:59: versteckte Pfade. Wer will, kann hier Gipfel stürmen. Wer nicht will, bleibt einfach sitzen und

00:09:06: guckt. Auch schön. Besonders eindrucksvoll, die Teufelsmauer, das Bodetal, die Rostrappe. Orte

00:09:15: mit Namen wie aus einem Heavy-Metal-Album, aber mit Stimmung wie aus einem Meditations-Retreat.

00:09:21: Ideal für alle, die ihre Akkus nicht an der Steckdose, sondern in der Natur laden. Quedlinburg

00:09:29: macht nichts laut. Es erzählt nicht, es deutet an. Keine Grillenreize, keine Werbetafel. Und genau

00:09:37: deshalb bleibt es hängen. Nicht als Ort zum Abhaken, sondern zum Wiederkommen. Wer hier war,

00:09:43: merkt irgendwann, in Köln oder Berlin oder sonstwo, irgendwas fehlt. Meistens ist es das

00:09:51: Kopfsteinpflaster oder der Blick über die roten Dächer oder das Gefühl, das Zeit nicht schneller,

00:09:57: sondern besser vergehen kann. Ich sag's dir, ich bin tiefenentspannt. Nach Quedlinburg könnte man

00:10:08: direkt in den Winterschlaf fallen, aber im besten Sinne. Ja, das ist ein Ort, bei dem selbst das

00:10:14: Handyempfang aufgibt, weil sich es nicht traut, zu stören. Aber jetzt volle Konzentration. Denn

00:10:20: unser nächstes Thema bringt richtig Erleuchtung. Und zwar wortwörtlich. Vom Funken zur Fahrbahnbeleuchtung.

00:10:26: Es geht ums Licht im Auto. Wie viel Technik da inzwischen drinsteckt, das ist fast schon wie

00:10:31: Magie auf Knopfdruck. Wenn es dunkel wird, beginnt für Autos die große Show. Kein anderes technisches

00:10:41: Detail am Auto hat sich so dramatisch gewandelt wie das Licht. Was einst als flatternde Flamme am

00:10:48: Kutschbock begann, ist heute ein präzise Gewicht.

00:10:50: steuerte Lichtstrahl mit eigener Intelligenz. Manchmal sogar mit mehr Durchblick als der

00:10:56: Mensch hinter dem Lenkrad. Am Anfang stand das Feuer, wortwörtlich. Die ersten Autos hatten

00:11:03: Laternen mit Tocht, Ruß und einem beruhigenden Knistern. Das meistens bedeutete "noch brenz,

00:11:10: alles gut". Die Sicht eher so mittel. Aber immerhin konnte man sein eigenes Fahrzeug aus

00:11:16: ein paar Metern Entfernung erkennen. Ein Fortschritt, wenn man bedenkt, dass andere Nachts gar nicht

00:11:21: fuhren. Dann kam der Strom. Cadillac war einer der ersten der Glühlampe serienmäßig verbaute.

00:11:28: Die Nacht wurde dadurch nicht unbedingt heller, aber immerhin kontrollierbarer. Autofahren

00:11:34: wurde planbarer und weniger ein Spiel mit dem Zufall. In den 60ern ging es richtig los. Die

00:11:41: H4-Lampe kam, ein Wunderwerk der Technik. 2 Glühfäden für Ablend und Fernlicht. Hallogen wurde zum

00:11:48: Standard. Es war heller, heißer und roch ein bisschen nach Zukunft. Und dann, in den 90ern,

00:11:55: Xenon. Hell, blau-weiß und irgendwie ein bisschen klinisch. Wer damals Xenon fuhr, fühlte sich ein

00:12:03: bisschen wie ein Pilot oder zumindest wie jemand, der zu viel Blade Runner gesehen hatte. Aber Xenon

00:12:10: hatte Launen, Hochwold, Steuergeräte, Wartungskosten, die einem die Tränen in die Augen trieben. Nicht

00:12:17: vom Licht, sondern von der Rechnung. Trotzdem, es war spektakulär und spektakulär reicht in

00:12:25: der Automobilwelt oft aus. Dann kam LED und veränderte alles. Klein, effizient,

00:12:32: langlebig, in Reih und Glied. Erst Rücklicht, dann Tagfahrlicht, dann volle Power. Audi machte

00:12:41: den Anfang mit dem A8. Plötzlich war Licht nicht mehr nur praktisch. Es war Design, Charakter,

00:12:48: Wiedererkennungswert. Kein Auto ohne Lichtsignatur, kein Markenauftritt ohne dynamischen Blinker.

00:12:56: Aber richtig spannend wurde es erst, als das Licht denken lernte. Matrix-LEDs, kleine Einzeldioden,

00:13:05: die gezielt an und aus gehen. Gegenverkehr wird elegant ausgeblendet. Der Rest der Straße bleibt

00:13:11: taghell. Licht, das vorausschaut, reagiert, unterstützt. Laser kam auch. Erst bei BMW,

00:13:21: dann bei anderen. Extrem gebündelt, extrem weit, extrem teuer. Funktioniert wie Magie,

00:13:29: oder zumindest wie ein Laser-Pointer auf Koffein. 600 Meter fernlicht, kein Problem. Verhersehbar,

00:13:37: kaum. Faszinierend. Auf jeden Fall. Und hinten? Wird's künstlerisch. OLEDs machen das Licht

00:13:48: zur Bühne. Flächiges weißes Licht. Fast schon emotional. Manchmal sogar mit kleinen Animationen,

00:13:55: die ein bisschen an den Abspann eines Kinofilms erinnern. Nur eben am Heck eines SUV.

00:14:01: Heute geht es nicht mehr nur um Helligkeit. Es geht um Intelligenz. Licht soll sehen, erkennen,

00:14:09: schützen. Und das möglichst ohne zu blenden. Neue Systeme beleuchten Straßenschilder,

00:14:15: zeigen Wahnsymbole, kommunizieren. Licht wird zur Sprache. Und die Scheinwerfer,

00:14:22: die bekommen Software-Updates wie ein Smartphone. Nur mit Fernlichtfunktion. Was kommt als nächstes?

00:14:29: Vielleicht holografische Anzeigen, vielleicht Licht, das mit Fußgängern spricht, oder Gleichautos,

00:14:35: die komplett leuchten, wie ein fahrendes Display. Adaptiv, animiert 360 Grad. Bis dahin bleibt das

00:14:44: Licht eine der spannendsten Geschichten im Auto. Vom rusenden Dort zum pixelgenauen Präzisionsstrahl.

00:14:50: Und wer nachts mit Tempo 180 durch die Dunkelheit schneidet, weiß, es gibt nur eine Sache,

00:14:56: die schneller war als der Fortschritt. Das Licht selbst. Also ehrlich, ich will jetzt auch so ein

00:15:04: Auto mit Matrix-LEDs und Rücklicht dann die kleine Animationen tanzen lassen. Und ich will bitte nie

00:15:09: wieder geblendet werden, wenn mir jemand mit Halogenfernlicht entgegen kommt. Danke. Licht an

00:15:14: Einkaufswagen gibt es ja nicht. Aber wie wir jetzt hören werden, der alte Einkaufswagen wandelt sich.

00:15:19: Genau. Das Zauberwort heißt Supermarkt 4.0. Ein Ort, an dem dein Einkaufswagen klüger ist als du

00:15:27: und dich trotzdem nicht auslacht. Man betritt in Supermarkt. Alles wie immer. Der Duft nach frischem

00:15:34: Brot irgendwo das Subben eines Kühlregals, das leichte Quietschen eines Einkaufswagens mit schiefer

00:15:40: Rolle. Und doch liegt etwas in der Luft. Nicht nur der Geruch nach Backwaren, sondern dieses

00:15:46: Gefühl, hier verändert sich gerade mehr als nur das Wochenangebot. Denn der Supermarkt 4.0

00:15:53: ist da. Nicht mit Tusch- und Trommelwirbel, sondern ganz leise, aber bestimmt. Es ist der Moment,

00:16:01: in dem man merkt, dass das Regal neben einem beobachtet oder zumindest zuhört und ziemlich

00:16:08: genau weiß, was man sucht, noch bevor man selbst den Einkaufszettel in der Hand hat. Die Regale

00:16:15: sind nicht mehr nur aus Holz oder Metall gefüllt mit Produkten. Sie sind digital. Sie blinken,

00:16:21: analysieren, empfehlen. Man greift nach dem Joghurt und schon erscheint, möchten sie dazu

00:16:27: Topping-Vorschläge, Rezepte, ein gutes Angebot auf der Nachbarnfläche und man fragt sich,

00:16:34: ist das noch Orientierungshilfe oder schon Bevormundung in schickem Design? Der Einkaufswagen

00:16:42: nicht mehr bloß Draht auf vier Rädern, sondern rollender Algorithmus. Er kennt Vorlieben,

00:16:48: speichert Einkaufsverhalten, erinnert an Dinge, die man vergessen hätte oder absichtlich verdrängt

00:16:54: hat und erschlägt Alternativen vor, wenn das Lieblingsprodukt gerade ausverkauft ist, nett

00:17:01: irgendwie und ein bisschen unheimlich. Hinter den Kulissen läuft derweil ein zweites Leben ab,

00:17:07: der Supermarkt als Datenzentrum. Jeder Griff, jedes Zögern, jedes Produkt im Wagen wird registriert.

00:17:14: Diese Datenmengen füttern lernende Systeme, die Bestände optimieren, saisonale Vorlieben

00:17:20: analysieren und die Logistik fein justieren. Was früher auf Bauchgefühl basierte, wird heute

00:17:26: vom System berechnet. Oft präziser, manchmal gnadenlos effizient. Das führt zu einem Einkaufserlebnis,

00:17:34: das fließt. Kein Suchen, kein Grübeln, keine Sackgassen mehr im Keksregal. Stattdessen Vorschläge,

00:17:42: Erinnerungen, Impulse. Die Wege sind kürzer, die Entscheidungen schneller, der Warenkorb voller,

00:17:48: die Hintergrundmusik ist angenehm, das Licht genau richtig. Man bewegt sich, wie durch ein gut

00:17:54: inszeniertes Theaterstück, bei dem man selbst die Hauptrolle spielt, als Hauptkonsument. Psychologisch

00:18:01: wirkt das. Studien zeigen, in smarten Supermärkten kaufen Menschen nicht nur mehr, sondern auch

00:18:07: spontaner. Der berühmte Impulskauf bekommt hier ein digitales Update. Sanft unterstützt von einer

00:18:14: LED, die flüstert, limitiert, neu, nur heute. Der Widerstand ist zwecklos und das Portemonnaie

00:18:22: offen. Natürlich gibt es auch Kritik. Daten sind Macht und Macht macht nervös. Wer sammelt was,

00:18:31: wie lange? Und wer weiß eigentlich, dass ich schon wieder Chips gekauft habe, obwohl ich eigentlich

00:18:36: nur Milch holen wollte? Nicht jeder findet es angenehm, wenn ein smarter Spiegel beim Vorbeigehen

00:18:41: kurz sein Alter schätzt. Oder das Einkaufsverhalten der letzten drei Wochen zusammenrechnet.

00:18:46: Transparenz wird hier zur Pflicht, nicht zur Kühe. Aber es gibt Lösungen. Hybridekonzepte,

00:18:53: in denen Technik und Mensch gemeinsam agieren. Wo ein Mitarbeiter bereit steht, mit echtem

00:18:58: Lächeln und echtem Wissen, nicht nur einem Skript. Wo man wieder fragen kann, was passt

00:19:04: zu dieser Pasta und keine automatische Rezeptkarte erhält, sondern einen persönlichen Tipp.

00:19:10: Klingt altmodisch, vielleicht, aber es fühlt sich gut an. Auch wirtschaftlich lohnt sich das alles.

00:19:16: Effizienz schneigt, viel Bestände sinken, der wahren Einsatz wird schlauer gesteuert. Der

00:19:23: Supermarkt wird nicht nur smarter, sondern auch rentabler. Vorausgesetzt, man setzt das System

00:19:28: durch Dachte ein. Denn halb digitale Erlebnisse wirken schnell wie schlechtes Sci-Fi, teuer,

00:19:35: verwirrend und wenig überzeugend. An der Spitze der Entwicklung Amazon Go. Wer sonst? Der Kunde

00:19:43: greift ins Regal, verlässt den Laden und bezahlt automatisch. Science Fiction? Nein, Realität.

00:19:50: Aber auch kleinere Händler mischen mit. Mit Scannerkassen im Wagen, digitalen Preisschildern,

00:19:57: Regalen, die bei Nachfrage ihre Preise anpassen. Startups entwickeln modulare Systeme, die auch

00:20:04: in Tante Emma-Laden funktionieren, ohne gleich alles umzubauen. Und der Einkauf endet längst

00:20:11: nicht mehr an der Kasse. Die App synchronisieren mit dem Kühlschrank zu Hause, die Einkaufsliste

00:20:17: entsteht automatisch, ein Lieferoboter fährt los, bevor man selbst die Schuhe anhat. Smart ist

00:20:23: nicht mehr nur der Laden, smart ist das ganze Ökosystem drum herum. Aber bei aller Technik,

00:20:29: bei aller Automatisierung bleibt die Frage, macht das Einkaufen besser? Oder nur bequemer? Und

00:20:37: vielleicht ist es genau das, worum es geht. Supermarkt 4.0 ist wie ein Roadtrip mit autonomem

00:20:44: Fahrzeug. Man gibt die Kontrolle ein Stück weit ab, aber man kommt schneller, entspannter und

00:20:50: wahrscheinlich mit ein paar unerwarteten Snacks im Gepäck an. So, das war sie, unsere kleine Reise

00:21:00: durch Kaffeekultur, Fachwerk-Idele, Scheinwerfermagie und digitale Einkaufswelten. Wir hoffen,

00:21:07: Sie hatten so viel Freude beim Zuhören, wie wir beim moderieren. Und falls Sie jetzt Lust haben,

00:21:11: weiterzulesen? Dann schauen Sie doch mal in unser Online-Magazin Momente unter tank.drast.de/magazin.

00:21:18: Dort gibt es so rund 200 spannende Artikel, von Genuss über Reisen bis hin zu Tipps für den Alltag.

00:21:24: Und das Beste? Man kann sie sich sogar von einer KI vorlesen lassen. Fast wie ein Podcast,

00:21:29: aber eben nur fast. Bis bald.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.